1995 wurde das Gemeindehaus gemeinsam mit der Kirche als Denkmalgruppe unter Schutz gestellt.
Die Gemeinde, die ihre im Krieg zerstörte Kirche durch eine neue Kirche 1951 ersetzen konnte, musste sich noch mehrere Jahre mit einem Provisorium hinsichtlich der Gemeindearbeit behelfen. So wurde etwa ein altes Bauernhaus auf dem heutigen Gemeidneparkplatz für den Konfirmandenunterricht u.a. genutzt. Aber warum wurde auch das, wiederum von Eberhard Gildemeister, geplante Gemeindehaus unter Denkmalschutz gestellt? Hierzu wieder aus dem Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege:
„Mit dem 1958/59 errichteten dreiflügeligen, zweigeschossigen Gemeindezentrum bezog sich Gildemeister in Material, Kubatur und Orientierung stark auf den vorhandenen Kirchenbau und schuf so ein harmonisches Ganzes. Das Gebäude öffnet sich in Hufeisenform zur Kirche, wobei die Seitenflügel mit den Kübbungen des Kirchenschiffs korrespondieren. Dadurch entsteht eine intime Hofsituation, die Gildemeister zu Anklängen an einen mittelalterlichen Kreuzgang nutzt, indem er dem Gemeindezentrum einen Arkadengang mit filigranen gekuppelten Stahlsäulen vorblendet, dessen flaches Dach als umlaufender Balkon für die Räume des Obergeschosses dient. Die Stichbogen-Fenstertüren des Obergeschosses an der Hofseite nehmen die Form der Kirchenfenster auf. Mit den rein dekorativ verwendeten, weiß gestrichenen Fensterläden bilden sie ein durchgehendes horizontales Band. Dieses schon von Schmitthenner häufig verwendete Motiv trägt nicht unwesentlich zum Landhauscharakter der Hofansicht des Gemeindezentrums bei. Konkreten lokalen Bezug gewinnt diese Anmutung noch dadurch, daß die eigentümliche Dachform der Seitenflügel offensichtlich vom dicht benachbarten Herrenhaus des ehemaligen Gutes Riensberg aus dem späten 18. Jahrhundert inspiriert ist. An Formen des 18. Jahrhunderts angelehnt ist auch das weiß gestrichene, profilierte hölzerne Traufgesims mit Karnies und Zahnschnitt, das Gildemeister in ähnlicher Form auch an der Kirche verwendete. Die Eingangsfront des Gemeindezentrums bekommt durch das große vertikale Treppenhausfenster einen modernen Akzent, der dieser Gebäudeseite das Ländliche nimmt. Raumdisposition, Ausstattung und Detaillierung des Inneren sind zeittypisch und von hoher Qualität (Albert-Schweitzer-Saal, Kaminzimmer, geschwungene Haupttreppe etc.).
Kirche und Gemeindezentrum sind sowohl äußerlich als auch im Inneren außergewöhnlich gut erhalten. Beide Bauten sind formal sehr gelungene und charakteristische Schöpfungen Gildemeisters, aber auch prägnante Beispiele für die konservative, an den Traditionalismus der Vorkriegszeit anknüpfende Richtung im Nachkriegsaufbau für den Bereich des Kirchenbaus.“
Mit Freude dürfte Gildemeister zur Kenntnis genommen haben, dass die Gemeinde – und die BEK – aufgrund der wieder stark gestiegenen Mitgliederzahlen in der Lage waren, ein handwerklich und gestalterisch anspruchsvolles Gemeindehaus bauen zu können. Mit welcher Akribie und mit welchem Qualitätsanspruch Gildemeister seine Arbeiten geplant hat zeigen die noch heute vorliegenden Zeichnungen, etwas von Türdrückern oder dem Gestühl des Kaminzimmers. Auch der Albert-Schweizer-Saal (Gemeindesaal) zeugt von seiner konservativen Prägung, die aber eine für ihn typische, und von der Gemeinde gewollte Gemütlichkeit ausstrahlt. Über dem Ausgang prangt ein Wandgemälde, dass das Motiv des alten Tympanon im Gartenabgang wieder aufnimmt: Jesus als Prediger im Kreis von Männer und Frauen.
Um sich einen Eindruck von der Schöpfung Gildemeisters zu verschaffen sollten Sie sich vor Ort einen eigenen Eindruck vom Gesamtwerk verschaffen.

 

Die Denkmalwürde dieses Gebäudeensembles fällt jedem Besucher ins Auge, der den Innenhof zwischen Kirche und Gemeindehaus betritt . Dazu laden wir gern ein. Wer mehr über Hintergründe, Kurioses und das Motto zum Tag des offenen Denkmals 2020 erfahren möchte lese den Artikel „Chance Denkmal“

Holger Detjen
St. Remberti Gemeinde Bremen